Die Tradition der Kölsche Ulanen

Nach mündlichen Überlieferungen war es um die heute sogenannte Deutsche Revolution als in die Deutzer Kaserne schmucke Jungs in blau-roten Uniformen und einer seltsam anmutenden Kopfbedeckung zogen. Nachforschungen ergaben, dass es im Jahr 1849 war, als vom 5. Westfälischen Ulanen-Regiment zwei Eskadronen in Köln stationiert waren.

 

Dies ist auch der "Geschichte des 5. Westfälischen Ulanen Regiments Nr. 5", erschienen im Jahr 1890, zu entnehmen, die im Besitz des Stammtisches ist. Seit wann dieses Buch bei den Familien des Stammtisches ist, kann nicht mehr nachvollzogen werden.

 

 

Nur eingeweihte alte Deutzer und Ehrenfelder kennen noch Teile der Geschichte und es ist nicht mit Sicherheit zu sagen, was davon stimmt und was im Laufe der Zeit hinzu gedichtet wurde.


Liebesgeschichte

Zu der Zeit begann eine intensive Liebesgeschichte zwischen dem später nur "Kölsche Ulan" genannten Soldaten und seiner Marie. In Ehrenfeld war sie später bekannt unter dem Namen "Ulanen-Marie".

 

Als Uniformschneiderin hatte sie immer wieder mit den Soldaten aus dem Deutzer Kastell zu tun, obwohl sie in Ehrenfeld wohnte. Bei einer solchen Gelegenheit lernte sie den "Kölsche Ulan" kennen. Die Treffen, die sich später ergaben, muss man sich heute als Spaziergänge vorstellen, welche auf wenige freie Stunden beschränkt waren. Dann trafen sie sich möglicherweise an der alten Deutzer (Schiffs-)Brücke.

 

Dass sie den großgewachsenen, blassen Ulanen schon vor ihrer Kölner Zeit kannte, flüstert man sich auch heute noch zu. Denn in Rheindorf geboren - also nahe an Düsseldorf - lag es nahe, dass Marie den "Kölsche Ulan" schon vorher kannte. Marie schwärmte einfach für ihren Ulan, ihren "kölschen Edelmann".


Aufgrund unserer Nachforschungen wissen wir heute wer die "kölsche Ulanen-Marie" ist: Es ist die 1830 in Rheindorf geborene Maria Magdalena Schiefer, deren Urenkelin heute, im hochbetagten Alter, noch in Ehrenfeld lebt und wohnt.

Ende der später als goldene zwanziger Jahre verklärte Zeit entstand in der geselligen Runde des Stammtisches die Idee, etwas Neues ins Leben zu rufen. Eine Karnevalsgesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt Spaß haben würden und auch die Frauen aktiv mitwirken sollten.

Eifrig wurde diskutiert, ob man dem Vorbild der großen Gardecorps wie Prinzengarde, Ehrengarde, Blaue Funken, Rote Funken und Altstädter ein klassisches Gardecorps gründen solle oder etwas Neues (für die damalige Zeit), gänzlich revolutionäres aus der Taufe haben könne.

 

Die Diskussion wurde immer wieder geführt, denn eine aktive Rolle von Frauen im Karneval musste wohl überlegt sein. Eines Tages wurde diskutiert, dass sich ähnlich wie in den Schützenvereinen, ein Königspaar mit Hofstaat etablieren sollte. Für die Idee, als Paar, Königin und König oder noch besser als "Kölsche Ulan" und "Ulanen-Marie" aufzutreten, begeisterten sich die Familien des Stammtisches.

 

Nachdem nun endlich ein Weg gefunden war, gemeinsam und gleichberechtigt den Karneval zu feiern, stellte sich die Frage nach der Ausstattung. Auch hier bot es sich an, sich an den Uniformen der Ulanen und den Kleidern der Marketenderinnen zu orientieren.

Mitte des Jahres 1933 waren die Uniformen der Herren und die Marketenderinnen Uniformen für die Frauen geschneidert. Das Kränzchen und der Halsorden waren kreiert und in einer kleinen Serie angefertigt worden.

 

Die Mitglieder waren zunächst begeistert. Allerdings wurde kritisch gefragt - wie die Kölner Karnevalisten den Schnitt einer klassischen Uniform - wie sie im Kölner Karneval traditionell getragen wurde, bewerten würden. Die Marketenderinnen-Uniformen für die Damen waren nicht bekannt. Somit konnte sich durch die schönen Roben der Damen auch niemand auf den Schlips getreten fühlen.

Schließlich entschieden die Mitglieder des Stammtisches sich gemeinschaftlich für eine alternative Variante: Die Herren erhielten kurze Smoking-Jacken aus Satin sowie weiße Uniformhosen. Die Damen erhielten Bolero-Jacken in blauem Satin mit Chapeaus und weiße Röcke.

Die Stammtischmitglieder hatten sich mit der Wahl ihrer Kostüme dafür entschieden, eine Frackgesellschaft zu sein. Von der Idee, letztendlich eine Garde zu gründen, wollte sich allerdings keines der Mitglieder verabschieden. Schließlich lagen die Schneiderskizzen und Muster für die Uniformen vor. Somit präsentierte man sich im Jahr 1933 erstmals im Frack.

 

Im Nationalsozialismus unter den Rahmenbedingungen des NSDAP-Regimes, verließ die Gesellschaft das Licht der Öffentlichkeit und lebte wie zuvor als Stammtisch "Häzzblatt" weiter. Dies trübte nicht die Freude der Mitglieder am kölschen Brauchtum und Fasteler.

 

Nach den Schrecken des Krieges hatten die Mitglieder des Stammtisches zunächst andere Sorgen als ihr hehres Ziel, den Karneval zu modernisieren, weiter zu verfolgen. Viele waren verstorben, gefallen, in Gefangenschaft geraten oder evakuiert / emigriert worden. Erst zum Ende der Nachkriegszeit zur Gründung der Bundesrepublik fand sich der Stammtisch Häzzblatt wieder zusammen. Man freute sich über das Wiedersehen und schnell war allen klar, dass man an das Schöne aus der alten Zeit anknüpfen wollte.

Die "Häzzblatt-Mitglieder" belebten die Ideen der Marie neu und in den Folgejahren, besonders entsprechend dem Karneval der zwanziger Jahre.

 

Die Mitglieder waren das Elend vergangenen Kriegsjahre leid. In Köln herrschte Aufbruchsstimmung und die pure Freude am Leben und dem vaterstädtischen Fest. Da die Gesellschaft im Gegendsatz zu den Traditionscorps auf eine Bewaffnung verzichtet hatte, konnte sie nahtlos an alte Zeiten anknüpfen.